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Monday, March 12, 2007

Der grosse Apfel

So, liebe Liebenden, ich präsentiere, mit einiger Verspätung zwar, aber dafür 10% lustiger (ach, ich liebe Eddie), meine (wie immer tollkühnen) Abenteuer aus New York!

Hinfahrt:
Nun, wie soll ich sagen. Wir (meine österreichische Reisebegleitung Eva und ich) waren naiverweise davon ausgegangen, dass eine Gegend, welche regelmässig mit sehr harten Wintern zu kämpfen hat, auch einigermassen flexibel auf wetterbedingte Hindernisse zu reagieren weiss. Dem ist nicht so. Ein Unfall auf der Autobahn, welche aber meines Wissens (bzw. hoffentlich) nicht die einzige Verbindungsstrasse zwischen Kanada und den USA ist, hat es geschafft, den Greyhound-Busverkehr gen Süden für mindestens 12 Stunden lahmzulegen.

Statt nachts zu fahren und am Dienstag Morgen frisch und munter in New York anzukommen, ging's erst Dienstag früh (zu früh - *gähn*) los, was schon mal einen Tag weniger NY bedeutete. Ausserdem musste die liebe Greyhound Busgesellschaft wegen der zwei ausgefallenen Busse vom Vortag gleichzeitig drei losschicken. Tolle Idee. Wieso? Nun, wie wir wohl alle wissen, sind US-Amerikaner in letzter Zeit (bzw. seit ziemlich genau 5.5 Jahren) etwas paranoid, was Ausländer und Grenzübertritte und allgemein und so anbelangt. Was bedeutet, dass an der Grenze alle aus dem Bus aussteigen, ihr Gepäck präsentieren, einem netten Grenzbeamten ihre Lebensgeschichte erzählen, sich fotografieren lassen und ihre Fingerabdrücke hinterlassen müssen. Das kann dauern. Selbstverständlich hat uns Murphy's Law auch diesmal nicht im Stich gelassen und wir waren der dritte Bus. Zwei Stunden Wartezeit am Grenzübergang Champlain.

Selbstnatürlich tat diese Verzögerung allen furchtbar leid, und als Entschädigung für meine Mühen durfte ich dann 6 US-Dollar für den Grenzübertritt bezahlen. Trotz gültigem Visum. Wieso auch nicht? Das Visum war eh viel zu billig, wir wollen doch nicht, dass Bush's Star Wars-Programm (aka Raketenabwehr im Weltraum) an mangelnder Finanzierung scheitert.

Ankunft:
Nach der Ankunft im Port Authority-Busbahnhof in Manhattan ging's dann mal Richtung Big Apple Hostel. Für all diejenigen unter euch, die noch nie in New York waren: NY ist gross und hat viele sehr hohe Wolkenkratzer und Leuchtreklamen. Und wenn man (ok, ich) das Ganze zum ersten Mal in echt sieht (insbesondere, wenn man gleich als erstes mal zum Times Square läuft), wird man (bzw. ja, ich) wieder fünf Jahre alt, schaut mit grossen Augen nach oben und würde am liebsten rufen "Guck mal Mama, Haus groooooosss!". Ich schäme mich zwar, es zuzugeben, aber ich hab mich gefühlt wie so ein richtiges Landei irgendwo aus der Provinz, aus dem Bünztal oder so. Oder noch besser, wie aus einem dieser Dörfer in Graubünden, wo die Leute tatsächlich noch Rumantsch reden, aber nur, weil sie noch nie woanders waren. Und für die Chur eine hektische Grossstadt ist, die sie nur aus Sagen und Legenden kennen. Oder so.

Ich hab mich dann aber schnell wieder gefangen, wir haben unsern Kram in der Jugi deponiert und sind losgezogen, um Herrmanns gute alte Freunde, Amy und Cue zu besuchen. Mit Metro-Tickets bewaffnet, die wir uns souverän am Automaten geholt hatten, liefen wir zielstrebig (um ja nicht als Touris aufzufallen) durch die Gänge und landeten schliesslich planmässig im Stadtteil Harlem. Bei Amy gab's dann lecker Mexikanisch vom Lieferservice, Wein, Film gucken und sowieso äusserst gemütlich! Zum Abschluss des Abends erklärte sich schliesslich noch Cue's Bruder Rob bereit, ein bisschen mit uns um die Häuser zu ziehen (womit ich meine, dass wir eigentlich müde waren, aber er meinte, wir müssten unbedingt noch mitkommen in die Bar, in der er gelegentlich auflegt, was wir dann auch gemacht haben und es war nett und wir um 3.30h morgens im Bett - ohne Rob natürlich. Was ihr auch immer für schmutzige Gedanken habt, tztztz.).

Tag der Museen:
Wie es sich für jeden anständigen Städtereisenden gehört, der sich nicht als absoluter Banause outen will, standen auch bei uns ein paar Museen auf dem Programm (wobei "ein paar" wörtlich zu verstehen ist - nämlich zwei). Zunächst mal wollten wir mit etwas leichterer Kost anfangen und haben uns nach einem Umweg über das Rockefeller Center und die St. Patrick's Cathedral zum besonders bei Grundschulen beliebten Museum of Natural History aufgemacht. Das war dann ganz nett, mit Dinosaurierskeletten und so.

Danach stellten wir unsere unglaubliche Effizienz unter Beweis und liefen durch den Central Park zum Metropolitan Museum of Art (= zwei Sehenswürdigkeiten auf einmal! Eben effizient!). Das war zwar beeindruckend, aber wir irgendwie müde, daher war unser Enthusiasmus gegen Ende nicht mehr so sprühend. Der American Wing des Met stellte sich dann als ideal für uns herau, da wir uns einfach auf die Bänke im Wintergarten knallen konnten und trotzdem sahen wir um uns herum überall Kunst (effizient eben!).

Unsere Lebensgeister erweckten wir dann mit dem Highlight unserer Reise wieder zum Leben: Mamma Mia! Das Musical! Basierend auf den Songs von Abba! Am Broadway! Im Winter Garden Theatre! Sauteuer, aber jeden Cent wert. Das Niveau an Professionalität war hier wirklich beeindruckend - erstklassige Schauspieler&Sänger, grossartige Produktion. Schön, wenn man sich nach einer Show nicht fragt, warum man dafür ein halbes Vermögen ausgegeben hat (nicht wie bei Carmina Burana im St. Galler Klosterhof, gäll Mami?).

Abba-Songs halb-lauthals singend genehmigten wir uns dann noch einen Schlummertrunk in der völlig unspektakulären Havana Bar (und ja, das mit dem singen war nur ich, wieso?).

Touristen par excellence:
Wie von uns vorgesehen, schien nach dem Schneefall vom Mittwoch am Donnerstag die Sonne, perfektes Sightseeing-Wetter also. Wir entschieden uns für die eher gemütliche Tour, die Circle Line-Tour nämlich. Ein Boot, das uns mitsamt nettem alten Herrn als Reiseführer um halb Manhattan rumkurvte. Das war schön und gab schöne Fotos, auch wenn es leicht irritierend war, dass der Reiseführer exakt den gleichen Tonfall beibehielt, um sowohl über 9/11, als auch über Metrotickets und die Brooklyn Bridge Ausführungen zu machen. Ich schätze mal, wenn man es oft genug sagen muss, verliert so ziemlich alles seinen emotionalen Gehalt.

Zweiter Stop auf unserer Tour de Touristes war dann der Klassiker, das Empire State Building. Wir waren echt dankbar, dass wir nicht in der Hochsaison da waren, so mussten wir nur wenige Minuten (statt mehrerer Stunden) Schlange stehen. Der Ausblick war wie erwartet schön, 18 US-Dollar sind aber schon ein sehr stolzer Preis (mal abgesehen davon, dass wir noch mehr bezahlt haben, weil wir was falsch verstanden haben...anyway, nicht dran denken).

Zum Abschluss unserer Reise sind wir dann noch etwas durch das Finanzviertel geschländert, inklusive Ground Zero (und ja, ich hab ein paar Tränchen verdrückt bei der Liste mit allen Opfern und so). Auf dem Rückweg zum Hostel haben wir uns dann noch einen Drink an einer Bar in der Grand Central Station genehmigt (sehr schön renoviert), einen Blick in die New York Public Library geworfen und im Planet Hollywood am Times Square zu Abend gegessen.

Rückfahrt:
Trotz ellenlager Schlange für den Bus nach Montréal gelang es Greyhound sich so zu organisieren, dass wir rechtzeitig losfahren konnten. Eine Weile lang ging alles gut. Nach dem Maintenance-Halt in Albany stieg allerdings die Heizung aus. Das war nicht mehr so gut. Die Snowboardjacke bis zur Nase zugeknöpft, Mütze, Schal und Handschuhe an, so ging's dann einigermassen für die verbleibenden 5 Stunden. Spass gemacht hat das allerdings nicht. Immerhin waren wir pünktlich um 6h morgens in Montréal und ich um 08h30 in meiner Vorlesung...

So, das war's. Fotos gibt's hier. NYC Pt. 1 sind meine Bilder, Pt. 2 die von Eva als Ergänzung und Evas gesamte Gallerie hab ich rechts auf der Seite verlinkt.

Hier noch die extra 10% lustig: Eisbärbaby zu seiner Mutter: "Mir ist egal, von wem ich abstamme, aber ich friere."
Gute Woche euch!